Tag 49 bis 63: Von Irkutsk zum Baikalsee und weiter nach Wladiwostok

Tag 49 bis 63: Von Irkutsk zum Baikalsee und weiter nach Wladiwostok

In Irkutsk angekommen ging es mit einem kleinen Linienbus zu meiner Unterkunft für die nächsten Zwei Tage – dem Montana Hostel

Montana Hostel. Das Hostel war super und erstmals hatte ich nach einiger Zeit wieder andere Reisende getroffen. In Russland ist das nicht so selbstverständlich wie in anderen Ländern. Doch hier war das Wetter echt mies, es war kalt und es regnete fast durchgehend. Erst am zweiten Nachmittag hatte ich mich zu einer Stadtbesichtigung aufgemacht und bin einfach der Linie am Boden gefolgt. Für Touristen ist eine komplette Route durch die Stadt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten mit einer grünen Linie markiert. Durch einen Starkregen wurde meine Tour ganz schnell wieder beendet und ich rettete mich noch in ein Café. Nach einer Tasse Kaffee ging es dann wieder zurück zum Hostel, bevor es wieder zu Regnen anfing.

Auf zum Baikalsee

Und mir persönlich war der Baikalsee auch wichtiger als die Stadt Irkutsk, also ging es direkt weiter zur Insel Olchon. Das ist die einzige bewohnte und zugleich größte Insel auf dem Baikalsee. Die Fahrt dauerte vier Stunden und erfolgte mit einem relativ neuem Kleinbus. Allerdings hatte die Windschutzscheibe, wie fast alle Fahrzeuge in Russland, einige Risse quer über die gesamte Scheibe. Und in Deutschland wird uns von Carglass erzählt dass ein kleiner Steinschlag ausreicht dass die Scheibe reist und zerspringt. Dann dürften alle Autos hier bei den russischen Straßenverhältnissen keine Scheiben mehr haben – also so schlimm kann es auch nicht sein. Spätestens mit der Ankunft auf der Insel Olchon weiß ich was schlechte Straßen sind. Bis zu der Stadt Kuzhir gibt es noch befestigte, aber nicht geteerte, Straßen und nördlich davon sind die Wege auch nicht mehr befestigt.

Gästehaus statt Hostel

Auf der Insel gab es fast ausschließlich Gästehäuser. Es handelt sich um kleine gemütliche Holzhütten, die meist kein fließend Wasser haben und die Toilette ist ein Plumpsklo im Freien. Auch zu den Duschen muss man zu einer anderen Hütte laufen und so fühlte ich mich ein bisschen wie beim Camping. Dafür hatte ich eine russische Sauna, die mit Holz betrieben wird und extrem heiß war. Mein Gästehaus wurde von einer Familie liebevoll betrieben und mein kleines Häuschen teilte ich mir für die ersten zwei Tage mit einem lustigen Chinesen. In dieser Anlage traf ich auch eine Koreanerin wieder, die ich schon aus Irkutsk kannte. Allerdings waren sonst zu dieser Zeit so gut wie keine Touristen mehr in dieser Gegend. Vor allem lag mein Gästehaus auch etwas außerhalb, also musste ich für jeden Einkauf circa 40 Minuten einfach laufen, da überlegt man sich schon was man alles braucht. Und da es auch kein Restaurant in der Nähe gab musste auch immer genug Essen vorhanden sein, ich wollte ja nicht verhungern. Dafür hatte ich von meinem Häuschen auch einen super Ausblick auf den Baikalsee. Nach den ganzen Städten in den vergangenen Wochen war ein bisschen Natur und Ruhe auch einfach super.

Mit einem UAS zum Nordkap

Mit einem alten russischen Allradkleinbus (UAS) ging es zur Erkundungstour des nördlichen Teils der Insel Olchon. Und der Allradantrieb war auch notwendig, die Straßen entsprechen eher etwas breiteren Trampelpfaden die sich über die ganze Insel ziehen. Und so ging es von einem atemberaubenden Ort zum nächsten. Am Nordkap angekommen hatte sich der Fahrer unserem Mittagessen gewidmet und wir konnten die restlichen Kilometer zum nördlichsten Punkt der Insel wandern und dort die Aussicht genießen. An dieser Stelle wurde mir erst so richtig bewusst wie groß der Baikalsee eigentlich ist, denn das andere Ende Ufers war fast nicht zu sehen. Als Stärkung gab es dann eine Fischsuppe aus Omul (ein Fisch der nur am Baikalsee lebt).

Nachdem ich von dieser Insel so begeistert war entschloss ich mich spontan noch ein paar Tage länger zu bleiben und dafür direkt von Irkutsk nach Wladiwostok zu fahren. So hatte ich in den darauffolgenden Tagen genug Zeit um die umliegende Gegend zu Fuß zu erkunden.

Mein letztes Teilstück mit der Transsibirischen Eisenbahn

Wladiwostok

Von der Insel Olchon ging es dann am Tag 56 ohne erneute Übernachtung in Irkutsk in den Zug. Das letzte Stück wurde dann in einem Stück zurückgelegt. Für über Drei Tage und fast 4.000 km war ich fast ausschließlich im Zug und genoss die letzten Tage in der Transsibirischen Eisenbahn. Wieder drehte sich alles nur um Schlafen, Essen und Lesen. Unterwegs musste ich feststellen, dass mein gekauftes Brot verschimmelt und somit ein Fall für die Tonne war. Bei einem kurzen Stopp deckte ich mich dann also mit neuen Lebensmitteln ein und musste doch nicht verhungern. In Wladiwostok kam ich um kurz vor 7 Uhr an und konnte erst um 9 Uhr in mein Hostel. Um nicht Zwei Stunden auf der Straße zu warten, begann ich die Suche nach einem Café. Leider machten dort alle Läden nicht vor 8 Uhr auf, also verbrachte ich einige Zeit am Meer und fand dann ein Mc Donald‘s. Dort gönnte ich mir zum Frühstück einen Burger und einen warmen Kaffee zum aufwärmen, schließlich war es nicht besonders warm hier.

Wladiwostok und eine kleine Planänderung

Nach dem Einchecken prüfte ich nochmal meinen gebuchten Flug nach Peking und anschließend auch das schon lange gebuchte Hostel. Die Bewertungen auf Booking.com zeigten dann, dass die Unterkunft anscheinend Probleme mit Bettwanzen hatte. Da in dieser Zeit die Goldene Woche war und fast alle Chinesen Urlaub haben und das ganze Land bereisen gab es keine andere bezahlbare Unterkunft. Um das Risiko einer drohenden Obdachlosigkeit in Peking zu umgehen hatte ich meinen Plan geändert und wollte vorerst nach Südkorea fliegen. Bei einem Telefonat mit der Airline hatte ich erfahren, dass ich auch noch kostenlos umbuchen kann und den Flug nicht verfallen lassen musste. Also stand der Plan fest und mein Flug auf Seoul umgebucht.

Die restlichen Tage in Wladiwostok verliefen dann eher ruhig. Ich unternahm nur ein Paar kurze Ausflüge in der Stadt und verbrachte die meiste Zeit im Hostel und unterhielt mich mit anderen Reisenden. Manchmal hat man einfach keine Lust jeden Tag etwas zu besichtigen und mit Russland hatte ich innerlich auch schon abgeschlossen.

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